Die Münchner Polizei und die Bienen


Ein Projekt, das den verdienten Namen „Das Polizeipräsidium München summt“ trägt, hat Dr. Jürgen Brandl ins Leben gerufen, um für das Problem des Bienensterbens zu sensibilisieren und mit gutem Vorbild für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts in Städten voranzugehen. Für den lokalen Fernsehsender München TV trat er am 05.09.2017 vor die Kamera und erzählte von dem Projekt und von den Bienen: Ihrer Art zu leben.

Das Projekt wird von Polizisten in ihrer Freizeit umgesetzt. Bienenvölker leben auf Dachterrassen von Polizeidienststellen über das Stadtgebiet verteilt und gemeinsam mit den ausschwärmenden Polizeistreifen fliegen sie tagtäglich aus, um den Polizeibienenhonig zu erzeugen. Gleichzeitig bringen die kleinen Tierchen München zum Blühen.

Der Polizeibienenhonig wird nicht nur im Kreis der Polizisten verkauft, sondern auch öffentlich über die Seite www.polizeibienenhonig.de. Die Erträge fließen nahtlos in die laufenden Kosten des Projekts und dessen Wachstum - und gleichzeitig geht 1.50 Euro pro Glas an wohltätige Organisationen wie Kindertagesstätten.

Doch gut ein Drittel des erzeugten Honigs verbleibt im Stock und dient den Bienen als Nahrungsgrundlage.

Die Sorge, der Stadthonig sei pestizidbehaftet oder schlechter als Honig aus ländlichen Regionen wird durch den Imker entkräftet: denn die Vielfalt der Flora in München ist häufig größer als in Bereichen ländlicher Monokulturen. Befindet sich ein Stock neben einem Maisfeld, entspricht das einer menschlichen Ernährung die beispielsweise ausschließlich aus Kartoffeln besteht. Außerdem werden Abgase oder unreine Luft von der Biene zu hundert Prozent absorbiert.

Dr. Jürgen Brandl ist selbst Polizist und gleichzeitig Doktor der Psychologie.

Und er versteht nicht nur die menschliche Psyche, man hört ihm an, dass er sich auch in die kleinen fleißigen Bienen hineinversetzen kann und deren Art der Kommunikation versteht. Eine Biene wird etwa sechs Wochen alt - außer sie ist eine Königin, dann beträgt ihre Lebenserwartung zwischen fünf und sechs Jahren. Und das wegen dem besonderen Futter, das der Königin vorbehalten ist. Die ersten beiden Lebenswochen verbringt die Biene als Ordnungshüter, sie hält sich im Stock auf und sorgt für den Lebenskomfort ihres Volkes und die Brut. Besteht erhöhter Bedarf für die Sicherheit des Stockes oder wird die Biene älter kommt die Beförderung zur Wächterbiene. Sie hält dann Ausschau nach Eindringlingen und umkreist den Stock aufmerksam.

Nähert sich ein Feind an oder versucht an den süßen Honig zu gelangen,

stellt sie in drohender Gebärde ihre Flügel auf.

Ein tiefes Brummen folgt. Treibt auch das den Eindringling nicht in die Flucht, gibt sie ihr Leben für das Volk - sie sticht. Die Tierchen fliegen aus, wenn es wärmer ist als zehn Grad. Und Sammeln des Honigs und Bestäuben der Blüten ist der höchste Rang nach der Königin, den die Bienen in ihren letzten beiden Lebenswochen erreichen. Ein Schwarm teilt sich, sobald der Platz im Bienenstock knapp zu werden droht. Dann fliegt die alte Königin aus und nimmt die geschlüpften Jungbienen mit sich. Zunächst hält sich das neue Volk nur wenige Meter vom Stammstock auf.

Späher-Bienen fliegen aus und erkunden einen sicheren Ort,

der Platz für Honigwaben und ein neues Zuhause bietet.

Ist der Ort gefunden, zieht das Bienenvolk ein. Doch auch der Schwarm hat Feinde, gegen die er nicht gewachsen ist: Milben - sogenannte Varroen - die zu Forschungszwecken von China in europäische Labor importiert wurden und deren exponentielle Verbreitung explodiert. Die Milbe legt sich unter die Bienenlarve in der Zelle der Wabe. Kommt die Biene, die die Brut mit einer Wachschicht bedeckt dazu, sieht sie die versteckte Milbe nicht und schließt diese mit der Larve ein. Während des Wachstumsprozesses ist der später verhärtete Panzer - oder das Hinterteil - der Biene noch weich, dort dockt die Milbe an, frisst sich ins Innere der Biene und hinterlässt ein winziges Loch im Panzer. Durch diese Öffnung gelangen Viren und Bakterien in die Biene, die in der Folge stirbt. Und gleichzeitig trägt die Biene die Milbe weiter zu neuen Bienenvölkern. Bekämpft wird der Milbenbefall in Stöcken von Imkern durch geringfügige Bedampfung mit Ameisensäure, die für Bienen selbst unschädlich sind. Doch Völker, die abwandern, nehmen die Milben mit. Ohne eingreifende Hilfe des Imkers können sich die emsigen Bienchen nicht gegen den Befall wehren.

Die neugegründeten Völker sind größtenteils dem Untergang geweiht.

Insgesamt 8 Völker betreut Dr. Jürgen Brandl in München. Sieben Polizeidienststellen beteiligen unter Federführung von Imkern - die zugleich Polizisten im aktiven Dienst sind - an dem Projekt. Und Dr. Jürgen Brandl setzt sich auch in Zukunft für die Weiterverbreitung der Polizeibienen ein. Durch die Öffentlichkeitswirksamkeit des Projektes in den Medien und die Transparenz an den vorhandenen Standorten gegenüber den Polizisten der jeweiligen Dienststellen werden vielleicht bald auch andere Unternehmen dem Vorbild der Münchner Polizei folgen. Auf dass München weiterhin blüht und gestärkt wird in der Erhaltung und Verbesserung seines ökologischen Gleichgewichtes.

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