Frauen: Solidarisieren wir uns!

August 15, 2017

 

Trump hat schon im Wahlkampf gezeigt, dass er für Frauen nichts als Verachtung und Hohn übrig hat. Ihm ist die Regierungsübernahme des mächtigsten Landes der Welt gelungen: nachdem 53 Prozent aller weißen Frauen für ihn gestimmt hatten. Was war der Grund für all diese Frauen einen Sexisten statt einer Frau für das Präsidentenamt zu wählen?

 

 

Zara S. Pfeiffer referierte in dem Vortrag Still Loving Feminism am 19.07.2017 im Kulturzentrum Giesinger Bahnhof in München in einem Streifzug über Geschichte und Gegenwart der Frauenrechtsbewegung. Sie beantwortete oben gestellte Frage mit dem Argument, dass viele - gerade weiße, ältere und verheiratete - Frauen konservative Werte vertreten. Sie haben Angst, die vertrauten Werte, an die sie zeitlebens geglaubt haben, zu verlieren.

Deswegen identifizierten sie sich nicht mit den Frauen, die durch Trump als Schweine, als hässlich und fett beleidigt wurden. Auch nicht mit Frauen, die unter körperlicher sexueller Gewalt durch den Präsidentschaftskandidaten litten und heute unter dem Präsidenten leiden. Tatsächlich prahlte Trump mit diesen Übergriffen öffentlich: und das kurz vor der Wahl.

Viele konservativ geprägten Frauen fühlen sich sicher in ihrer untergeordneten Rolle als Anhang von Ehemännern in einer Welt die auch heute noch zum größten Teil von Männern und maskulinen Leitsätzen regiert wird. Das wirkt abstrus, da sie doch selbst Frauen und Opfer patriarchaler Gesellschaftsstrukturen sind.

Das effektivste Werkzeug patriarchaler Dominanz ist die Aufweichung der Solidarität unter uns Frauen -

die bis zur Feindseligkeit führt.

Durch die Suggestion, Männliches ist stark, Weibliches dagegen schwach und zweitranging, richten viele Frauen ihre Identität nach dieser Beeinflussung aus. Sie glauben in der Folge, sich in männlichen Idealen wieder zu erkennen und verhalten sich anderen Frauen gegenüber sexistisch. Grund: Die Leugnung eigener Werte. Sie scheint der einfachste Weg, um in unserer männlich dominierten Welt Akzeptanz zu finden und erfolgreich zu sein. Und findet nicht selten Bestätigung.

Angela Merkel zum Beispiel wird gerne von Verfechtern des Patriachats genannt. Eine Frau regiert Deutschland, was wollt Ihr Frauen mehr? Und ja sie hat als Frau eine mächtige Position.

Aber hier möchte ich einwerfen: Merkel bezeichnet sich selbst nicht als Feministin. Sie wurde als „Kohls Mädchen“ groß. Und ist allein durch diese Bezeichnung Opfer männlicher Dominanz. Und sie selbst sagt über sich: „Ehrlich gesagt“, zögert, „ich möchte mich auch nicht mit einem Titel schmücken den ich gar nicht habe“ „ich will mich nicht mit dieser Feder schmücken“ – sie verweist darauf, dass sie sich nicht kämpferisch für Frauen stark macht und machte. Es ist eine ehrliche Aussage, macht sie sympathisch. Trotzdem drückt sie aus, dass die Leugnung feministischer Werte sie in die Position gebracht hat in der sie heute ist.

Ich denke ich spreche nicht nur für mich, sondern vermutlich stellvertretend für viele andere Frauen wenn ich sage:

Sexismus durch eine andere Frau zu erleben schmerzt weit mehr als von Männern kommende Frauenfeindlichkeit. Lasst uns den Männern diese schreckliche Waffe nehmen!

Dazu sollten wir ergründen: Woher kommen die Einflüsse, die uns auf diese Art miteinander umgehen lassen? Eigentlich ist unsere gesamte sozialisierte Umwelt darauf ausgerichtet. Es fängt ja schon in der Kindheit an: Uns wird eine Puppe in die Hand gedrückt oder eine Modellküche zur Verfügung gestellt. Während ich neidisch beobachtete, wie Jungs mit ferngesteuerten Autos und Spritzpistolen hantierten, sich schmutzig machten, wurde mir häusliches Verhalten antrainiert. Und hübsch sollte ich aussehen.

Weiter geht es mit dem Pay-Gap, klar. Der Verteilung von Führungspositionen. Der Selbstverständlichkeit mit der wir immer noch neben Vollzeitbeschäftigung den Großteil der Hausarbeit übernehmen. Und die Versorgung der Kinder - wenn wir uns überhaupt noch dazu hinreißen lassen, welche zu bekommen. Dabei sollten wir uns klar machen: wir sind das eigentlich starke Geschlecht – wenn man denn bei der männlichen Wortwahl bleiben will. Denn einem Mann ist es unmöglich Kinder zu bekommen. Wir werden dafür nicht nur nicht geehrt sondern das Leben mit Kindern – besonders ohne Mann – wird uns erheblich erschwert.

Verrückt, wie ruhig wir diese Ungerechtigkeiten ertragen und gegeneinander arbeiten in der Hoffnung Anerkennung von Männern zu finden. Aber auch in der Unterhaltungsindustrie haben wir nicht wirklich viel mit zu reden:

Immerhin sind 85 Prozent der im Bundesverband Regie (BVR) registrierten Regisseure Männer.

Darüber hinaus berichtete der BVR, dass nur 11 Prozent aller im deutschen Hauptabendprogramm gezeigten Filme von Frauen stammen. Studien des European Womens Audiovisual Network (EWA) zufolge bildet damit Deutschland im europäischen Vergleich keine Ausnahme sondern entspricht in etwa dem Durchschnitt.

Und doch sind gerade Film und Fernsehen Bereiche, in dem wir uns passiv in die Rolle des Hauptakteurs versetzen: eine Perspektive, die eben zu 85 Prozent eine männliche Sicht vertritt. Und in die Nebenrolle der Frau - häufig halbnackt und lediglich Beiwerk für die männliche Gier und als Besitzobjekt eines Hauptcharakters - will ich mich echt nicht versetzen. Natürlich wird die „weibliche Hauptrolle“ teilweise unterschwellig als Objekt sexualisiert und dies geschickt versteckt.

Wobei verhohlener Sexismus noch schlimmer ist als offene Konfrontation:

Er wird nicht als solcher wahrgenommen.

Bleibt perspektivisch im Großteil der Filme nur der männliche Held. Und wir identifizieren uns unbewusst mit Idealen die uns nicht einmal berücksichtigen als das was wir sind: Frauen. Und damit zahlenmäßig die größere Hälfte der Bundesbevölkerung. Wir versetzen uns zwar identitär in Männerrollen, aber auf der anderen Seite wollen wir Männern unbedingt gefallen. Machen uns klein und süß und hübsch. Aber: Wir wollen weder hässlich noch fett genannt werden - und lassen uns schon gar nicht als Schweine bezeichnen. Nur weil jemand auf zweifelhaftem Weg zu Geld und in eine Machtposition gekommen ist, heißt das nicht, dass er uns begrapschen darf.

 

Ich denke, wenn wir aufhören, untereinander unsere schärfsten Kritiker zu sein und anfangen an Schwesterlichkeit, wahre Frauenfreundschaft und feminine Stärken zu glauben, stehen die Männer mit ihren Besitzansprüchen an uns und der ungerechten Verteilung von Geld, Macht und Grundbesitz bald recht einsam da. Und wir fühlen uns schön - weil wir das sind. Auch ohne Schminke, Modelmaße und eine Cup-Größe auf die Männer stehen. Wir sind wir und sollten uns endlich als dieses Wir begreifen. Wir müssen lernen,  uns als Frauen zu lieben und uns zu gefallen. Nicht daran denken wie Männer uns wahrnehmen. Still Loving Feminism!

 

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